Nach Monaten des wartens nun endlich mal wieder eine meiner Geschichten. Ich hoffe es macht euch genauso viel spaß sie zu lesen, wie es mir spaß machte sie zu schreiben!
Das Gebet
In dem kleinen Dorf, in dem ich lebe, sehe ich jeden Tag mehr, wie sehr die Welt sich doch verändert. Die Autos werden immer großer und schneller, die Straßen immer breiter und die Häuser immer höher. Was ist aus unserer Welt geworden, in der wir Menschen einst genauso viel nahmen, wie wir gaben? Heute heißt es immer nur nehmen, nehmen und nehmen und das einzige was wir der Welt zurückgeben sind Schadstoffe, abgeholzte Wälder, Atomkraftwerke und viele schädliche Dinge mehr. Und dann fangen die Menschen an sich zu beschweren, wenn die Welt uns mit Klimakatastrophen, Erdbeben und Überflutungen straft. Haben wir uns nicht selber in diese Scheiße gezogen? Und sind wir es nicht, die zu schwach sind sich selber daraus zu ziehen! Typisch für uns Menschen. Kein Wunder das Gott uns verlassen hat. Ich würde an seiner Stelle nicht anders handeln. Wer möchte schon freiwillig jemanden helfen, der das, was man ihm schenkte mit Füßen tritt? Ich nicht!
Ich war in einer Kirche. Ich bete dort Tag für Tag, dass Gott doch bitte der Menschheit klar machen solle, dass das, was sie machen unser Untergang hervorruft. Doch leider hatte Gott auch für mich kein Gehör und mein betteln und flehen wurde in der großen Kirche verschluckt, wie ein Schrei im Weltall. Ich stand auf, als die Kirchturmuhr zehn Uhr schlägt. Um diese Zeit wird auch heute noch die Kirche geschlossen. Zu oft wurde und wird hier eingebrochen. Nicht mal mehr ein Gotteshaus ist vor dieser Welt mehr sicher. Wie soll das bloß weitergehen?
Ich wurde müde und legte mich schlafen. Mein Körper lag unruhig im Bett und wälzte sich von einer Seite auf die andere. Ich war an diesem Abend hundemüde, aber irgendwas hielt mich wach. Ich weiß noch, dass ich mir ein Glas Milch aus der Küche holte. Das soll ja angeblich helfen. Mir half es nicht. Außer dem Bedürfnis auf die Toilette zu gehen, hatte sich der Zustand meines Körpers nicht geändert. Ich beschloss einen kleinen Spaziergang zu machen. Mittlerweile war es fast Mitternacht.
Die Gegend in der ich wohne ist umringt mit Bäumen. Ich habe mich nur schwer daran gewöhnt in einem Wald zu wohnen. Nachts kann einem das manchmal schon unheimlich vorkommen, doch man ist vom Rest des Dorfes getrennt und das verschafft mir die Ruhe, die ich tagsüber brauche. Die Bäume um mich herum sahen damals nachts auch schon aus wie Dämonen. In den ganzen Jahren habe ich mittlerweile herausgefunden welcher Baum nachts zu welchem „Dämon“ wird. Schon lange habe ich keine Angst mehr vor diesem Wald. Auch wenn die Geräusche mich manchmal in den Wahnsinn treiben können.
Ich schaute in den Himmel und erblicke einen wunderschönen Stern. Er schien viel heller als alle anderen Sternen zu strahlen. Ich faltete meine Hände zum Gebet und schloss meine Augen. Ach lieber Gott lass diesen wunderschönen Stern auf die Erde sinken und zeige der Menschheit wie schön die Natur doch ist und wie grausam sie von uns zerstört wird.
Eine kleine Zeitlang verweilte ich so. Ich fühlte mich irgendwie so frisch und erholt. Als ob mir dieses Gebet neue Kraft geschenkt hatte. Ich öffnete langsam meine Augen und sah verwundert in einen sternenlosen Himmel. Wo ist er hin? Ich war mir ganz sicher, dass er eben noch da war. Ich suchte vergebens den Nachthimmel ab. Doch es war kein einziger Stern mehr zu sehen. Auf einmal hörte ich einen grauenhaften Schrei. Ich drehte mich verstört um. Mein Herz raste mit einer unerträglichen Geschwindigkeit, dass es mir so vor kam, als ob es gleich zerbersten würde. Nun folgten weitere Schreie. Sie kamen aus Richtung des Dorfplatzes. Ich drehte mich schnell um und rannte in richtig meines Hauses. Ein weiterer Schrei. Viel trauriger und herzzerreißender als die zuvor. Ich blieb stehen. Dieser Schrei musste von einem Kind stammen. Lieber Gott was ist dort los? Ich kniff die Augen zusammen und rannte einfach weiter. Ich will mit der Sache nichts zu tun haben. Was gehen mich diese Menschen an? Diese verdammten Hunde, die meine und ihre Welt zerstören. Dieses Kind hat es bestimmt nicht anders verdient… Ich drehte um. Ich lief so schnell ich konnte in Richtung Dorfplatz. Kein Kind auf der Welt hat es verdient so schreien zu müssen. Es wurde kalt. Als ob einem jegliche Wärme aus dem Körper gezogen worden ist. Meine Hände zitterten und ich spürte Teile meines Gesichtes nicht mehr. Durch den kalten Wind fingen meine Augen an zu brennen. Ich konnte kaum noch erkennen wo ich lang lief. Endlich erreichte ich das Ende des Waldes. Kaum hatte ich die letzten Bäume hinter mir gelassen, sprang mir eine Feuersbrunst ins Gesicht. Die plötzliche Hitze ließ meine Haut reißen und ich spürte wie kleine Bäche aus Blut sich Wege durch meine Haut bahnten. Der Schmerz war kaum zu ertragen und meine salzigen Tränen reizten meine Wunden noch mehr. Aus der Mitte der Feuersbrunst hörte ich das klagende Jammern eines kleinen Mädchens. Ich kämpfte mir einen Weg durch das Feuer. Als ich in der Mitte ankam, waren meine Kleider Opfer der Flammen geworden und meine Haut sah aus wie die eines Hähnchens, das im Backofen vergessen worden war. Ich blickte mich mit schmerzverzerrtem Gesicht um und stellte zu meiner großen Verzweiflung fest, dass die Flammen sich einmal rings um das ganze Dorf zogen. Wir waren gefangen. Gefangen in einem großen Käfig aus Feuer. Plötzlich hörte ich wieder das Jammern. Es kam vom Marktplatz; der Mittelpunkt unseres Dorfes. Ich ging so schnell ich konnte, doch meine verbrannten Beine machten es mir nicht gerade leicht. Jeder Schritt stach. Der Schmerz fraß sich durch meinen ganzen Körper, wie Maden durch eine Leiche. Eine Brandwunde am linken Arm blutete und süffte unerträglich. Vor Schmerz konnte ich den Arm ohne Hilfe nicht mal mehr heben. Ich schleppte mich quälend in die Mitte der Stadt. Unzählige Menschen liefen schreiend umher, doch ihr Klagen schien stumm im Vergleich zu dem Jammern des kleinen Mädchens. Ich sah sie am anderen Rand des Marktplatzes sitzen. Ihre Wunden waren ähnlich der Meinen und sie weinte unerbittlich. Ich ging auf sie zu und rutschte aus. Der Boden war feucht und meine Beine konnten nicht stand halten. Ich stützte mich flennend mit meinen Armen ab. Der linke Arm gab nach und ich fiel mit meinem Gesicht voll auf den Pflasterstein. Der Boden roch ekelhaft. Mir wurde zum Erbrechen schlecht. Noch einmal versuchte ich mich wieder aufzurichten und ich schaffte es mich auf meine zerschrammten Knie zu setzten. Ich schaute an mir herunter und entdeckte Unmengen von Blut.
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